Stellungnahme von Dr. Matthias Strolz, Vorsitzender, Klubobmann und Bildungssprecher der NEOS

Was bedeutet für Sie persönlich Medienkompetenz?

Die Fähigkeit von Personen zu einer selbst bestimmten aktiven und passiven Teilnahme bzw. Nutzung und Mitgestaltung des gesamten Medienangebotes inklusive der modernen und sozialen Medien.

Welchen Stellenwert hat Medienbildung im Programm Ihrer Partei?

NEOS sind angetreten, um unser Land politisch und gesellschaftlich zu erneuern. Unser programmatischer Schwerpunkt liegt ganz klar auf Bildung, daher selbstverständlich auch auf Medienbildung. Auch die intensive Nutzung aller modernen Medien durch NEOS belegt diesen hohen Stellenwert und unsere starke Affinität neue Medien betreffend.

Wieweit kann Medienkompetenz aus Ihrer Sicht zur gesellschaftliche und insb. politischen Teilhabe beitragen?

Medienkompetenz ist bereits eine der unabdinglich notwendigen Kulturtechniken unseres täglichen Arbeits- und Privatlebens. Wie NEOS bewiesen haben, kann mithilfe neuer Medien z.B. die Jugend auch für bisher als “alt” eingestufte Politik begeistert werden und es wurde ein völlig neues Interesse und auch komplett neue Teilhabemöglichkeiten (aktive Kommunikation und Partizipation) an der Politik für verschiedenste Bevölkerungsschichten geschaffen.

Was ist Ihrer Meinung nach notwendig, um wirklich Menschen die gleichen Chancen auf Zugang und Mitgestaltung in allen medial kommunizierten Gesellschaftsprozessen und demokratischen Diskursen zu ermöglichen?

Im Sinne eines laufenden Konvergenzprozesses (Zusammenwachsen der Kanäle) ist eine flächendeckende und preiswerte Breitbandversorgung der gesamten Bevölkerung dringend voranzutreiben. Auf Ebene der Nutzer_innen ist die von Ihnen angesprochene Medienbildung der Schlüssel, um kompetent und selbstbewusst teilnehmen zu können.

Wo sehen Sie die zentralen Handlungsfelder für Medienpädagogik?

Infrastruktur (Technik, Anbindung), Personal (Ausbildung der Pädagogen) und Autonomie der Schulen, damit rasch und zeitnah an dieser rasanten Entwicklung teilgenommen werden kann.

Für welche dieser Handlungsfelder beurteilen Sie den Ist-Zustand der Medienkompetenzvermittlung als ausreichend?

Für keinen! Der Handlungsbedarf ist in allen Feldern enorm und die Zeit drängt. Unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit steht auf dem Spiel.

Wo orten Sie den größten Entwicklungsbedarf, um „Medienbildung für alle“ sicher zu stellen?

In unserem Schulsystem: Moderne Medien und unser „aktuelles“ Schulsystem aus der Zeit von Maria Theresia sind aus meiner Sicht schwer kompatibel.

In welchen schulischen und außerschulischen Strukturen kann aus Ihrer Sicht Medienkompetenz vermittelt werden? Können Sie dazu besonders gelungene Beispiele benennen?

Schulisch ist das praktisch in jedem Unterrichtsfach möglich, hier kommt es auf den einzelnen Pädagogen/in an, wie er/sie diesen Aspekt einfließen lässt. Außerschulisch liegt es an den Eltern, aber auch an Betreuungseinrichtungen wie etwa Horte (für die Nachmittagsbetreuung), Medienkompetenz zu forcieren, aber auch Vereine und Jugendzentren bspw. sind diesbezüglich sicher wichtige Strukturen.

eLSA-zertifizierte Schulen scheinen gelungene Beispiele zu sein.

Welche Maßnahmen in der Aus- und Weiterbildung der in den Bildungsinstitutionen arbeitenden Menschen könnten aus Ihrer Sicht die Vermittlung von Medienkompetenz verbessern und sicher stellen?

Medienbildung muss Bestandteil der Pädagog_innenausbildung NEU sein. Weiterbildung ist hier sehr wichtig.

Wurde aus Ihrer Sicht „Medienpädagogik“ im Rahmen der „PädagogInnenbildung NEU“ ausreichend berücksichtigt?

Das Angebot im Rahmen der Ausbildung, aber auch im Bereich der Weiter- und Fortbildung an Pädagog_innen ist bundesweit qualitativ und institutionell sehr inhomogen und jedenfalls ausbaufähig. An der Fakultät für Philosophie und Bildungswissenschaft (UNI Wien) gibt es z.B. einen eigenen Arbeitsbereich mit dem Namen „Medienpädagogik“, der sich mit der Medienbildung im schulischen und außerschulischen Bereich beschäftigt und dabei die Verbindung wissenschaftlich fundierter Analysen mit pädagogisch qualifizierter Gestaltung in den Mittelpunkt stellt. Dieser Bereich ist mit Sicherheit ein „Leuchtturm“ in Bezug auf „Medienbildung“. Wir brauchen aber mehr davon.

Ich wünsche mir einerseits eine verstärkte Auseinandersetzung und in der Folge mehr Bewusstseinsbildung in der Gesellschaft in Hinblick auf die Bedeutung neuer Medien und deren Einfluss auf Bildungsprozesse und andererseits eine bessere Ausbildung, aber auch eine kontinuierliche Fort- und Weiterbildung unserer Pädagog_innen in diesem Bereich, der sich ständig und rasant weiterentwickelt, damit diese befähigt sind ihr Wissen im Klassenzimmer anzuwenden und weiterzugeben.

Hat aus ihrer Sicht die Urheberrechtsnovellierung 2013 dazu beigetragen, dass nichtkommerzielle Medienproduktionen leichter und rechtssicherer veröffentlicht werden können?

Nein. Die Novellierung in unserer Wahrnehmung hat keine erleichternden Auswirkungen mit sich gebracht.

Ist es für Sie denkbar, die freie Werknutzung auf den gesamten Bildungsbereich bzw. auf alle nichtkommerziellen Nutzungsbereiche auszudehnen?

Ja, aber mir klarer Abgrenzung zum kommerziellen Bereich und im Falle von bildungsnaher kostenfreier Nutzung sollte zumindest eine korrekte Quellenangabe vorgeschrieben werden, um den Autor_innen der Werke entsprechenden Respekt zu zollen und so eine zulässige Werbung für die Autor_innen zu machen.

Welche Möglichkeiten sehen Sie für eine mittel- und langfristig, nachhaltige finanzielle Sicherstellung von Bildungsangeboten zur Förderung von Medienkompetenz für alle Menschen?

Dafür ist eine komplette Erneuerung des Schulbereiches nötig, samt weitreichender Schulautonomie, um unser Bildungssystem zukunftsfit zu machen.

Möchten Sie zum Thema „Medienbildung JETZT“ noch etwas ergänzen?

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