Bundesverband Medienbildung richtet sich mit einem offenen Brief an den Bundesminister

Offener Brief “Medienbildung im Regierungsprogramm”
29.1.2018

Sehr geehrter Herr Bundesminister,

der Bundesverband Medienbildung (BVMB) ist die medienpädagogische ExpertInnenplattform in Österreich. Wir begrüßen die Verankerung der Vermittlung von Digital- und Medienkompetenz im Regierungsprogramm 2017-2022 sowie die Digitalisierungsoffensive im Bildungsbereich und die Breitbandanbindung ALLER Bildungseinrichtungen (S. 65, 82 und 83). Für Medienbildung sind jedoch darüber hinausgehend die kritische Reflexion der gesellschaftlichen Entwicklungen und die Unterstützung der aktiven Mitgestaltung durch die BürgerInnen wichtige Ziele.

Wir erwarten, dass die Regierung Medienkompetenz als die selbstbestimmte Gestaltung der Medienwelt durch Kinder, Jugendliche und Erwachsene im Sinne von Medienbildung in den Mittelpunkt rückt. Dazu heißt es im Regierungsprogramm: “Junge Menschen müssen gestärkt werden in Hinblick auf ihre Teilhabe- und Handlungsmöglichkeiten in der digitalen Lebenswelt. … Jugendliche müssen dabei unterstützt werden, neue Medien nutzen zu können, Gefahren zu erkennen und aktive Mitgestaltung zu lernen.” (S. 104). Die Reduktion auf Schutzfilter und Verbote, wie diese ebenfalls auf S. 104 ausführlich angeführt werden, ist für Medienkompetenz allerdings nicht förderlich.

Medienkompetenz ist mehr als technische Bedienkompetenz, Wissen um Schutzmaßnahmen im Internet und ökonomische Nützlichkeit. Es geht um die Unterstützung der Bürgerinnen und Bürger bei der Reflexion und Gestaltung von Medien und um die kreative Einbettung von Medien in die eigene Lebenswelt, wie dies auch teilweise im Kapitel “Medien” erwähnt ist: “Zielsetzung ist es, …. den demokratischen Diskurs in der Gesellschaft zu stärken.” (S. 84). Dabei reicht es nicht aus “…möglichst vielen Menschen möglichst qualitativ hochwertige Informationen zur Verfügung (zu) stellen” (S.85), sondern es ist erforderlich, durch schulische und außerschulische Bildungsmaßnahmen eine reflektierte Mediennutzung und eine aktive Teilnahme an künftigen gesellschaftlichen Entwicklungen und ethischen Diskursen zu ermöglichen. Die reflektierte Mediennutzung soll transferierbares Wissen und Können in den Mittelpunkt rücken. Damit kann auch den Veränderungsdynamiken und der Geschwindigkeit von Transformationen in allen Lebensbereichen entsprochen werden.

Zur Umsetzung gehören aus unserer Sicht folgende Maßnahmen:

  • Verlautbarung des Lehrplans “Digitale Grundbildung”
  • Stärkung medienpädagogischer Initiativen und Institutionen im schulischen und außerschulischen Bereich
  • Finanzierung bedarfsorientierter Ausstattung bestehender Bildungseinrichtungen
  • Bereitstellung von Mitteln zur Vernetzung der an der Medienbildungsvermittlung Beteiligten
  • Orientierung der Maßnahmen an der Lebenswelt der Zielgruppen
  • Förderung der politischen Handlungsfähigkeit von Kindern und Jugendlichen im Internet
  • Förderung handlungsorientierter Medienarbeit
  • Förderung der Bildungsarbeit im nicht-kommerziellen Rundfunksektor
  • Förderung medienpädagogischer Forschung
  • Förderung und Ausbau der medienpädagogischen Ausbildung von Lehrkräften und Einsatz dieser in Schulen
  • Weitere Förderung regionaler Schulvernetzungen

Wir freuen uns auf Ihre Antwort und die weitere Diskussion der angesprochenen Themen.

Hochachtungsvoll,

Dr. Christian Swertz
(Obmann Bundesverband Medienbildung)

Den gesamten Brief gibt es hier als pdf-Download: Bundesverband Medienbildung – Offener Brief

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